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Überführung LTM 1500 von Suchoi Log nach Moskau

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Kategorie: Meine Arbeit
geschrieben von: Rocco Schimmel
Veröffentlicht am: 17. April 2014 19:25 - 5884 Aufrufe

 

LTM 1500, ein Liebherr All Terrain Crane mit 500 t Tragkraft.

Im November 2010 begann meine Firma mit den Vorbereitungen zur Überführung eines 500 t Autokranes von Suchoi Log nach Moskau. Der Kran hatte 2 Jahre lang beim Bau einer Zementfabrik in Suchoi Log die schweren Montagearbeiten übernommen und wurde nach der Fertigstellung des Werkes dort nicht mehr benötigt. Deshalb sollte er nun nach Moskau überführt werden wo ein Kranbetreiber dringend auf das Gerät wartete.

Die Daten des Kranes: LTM 1500, Liebherr All Terrain Crane mit 500 t Tragkraft, Gewicht 96 t, Länge 21,39 m, Breite 3,00 m, Höhe 4,00 m, 8 Zylinder Liebherr Diesel Motor mit 500 KW.

Suchoi Log: Ein Ort in Russland welcher von Deutschland aus gesehen, ungefähr 2200 km hinter Moskau liegt (von Frankfurt am Main ca. 4800 km entfernt) oder um ihn noch besser lokalisieren zu können, ca. 130 km hinter Jekaterinburg, also im asiatischen Teil Russlands. Man könnte auch sagen, dass sich dort "Fuchs und Hase gute Nacht wünschen" denn selbst für einen Russen ist das schon tiefstes Hinterland. Dementsprechend ist es um die Infrastruktur bestellt, von Autobahnen fehlt jede Spur und selbst die Fernstraßen sind zum größten Teil in einem miserablen Zustand und erinnern mehr an Teststrecken für Geländefahrzeuge.

Meine Aufgabe bestand zunächst darin, den Kran in einen Zustand zu bringen der sowohl eine Überführung von mehr als 2000 km ermöglicht als auch eine Übergabe an den Moskauer Kranbetreiber. Das war notwendig, da der Einsatz in einem Zementwerk natürlich Spuren an dem Gerät hinterlassen hatte. Im Laufe der Zeit, hatte sich teilweise eine zentimeterdicke Kruste aus Zement auf dem Fahrzeug abgesetzt und natürlich mussten auch alle Betriebsflüssigkeiten wie Motor- und Getriebeöle, Kühlawasserstände usw. geprüft werden bevor eine solche Fahrt angetreten werden konnte.

Unser Mietwagen ein Toyota mit Spikes, die braucht man im Winter dort unbedingt.

Ich bin also im November 2010 mit einem Kollegen über Moskau nach Jekaterinburg geflogen. Dort hatte ich uns über Internet bereits einen Mietwagen gebucht und mit diesem Fahrzeug ging es die restlichen 130 km weiter nach Suchoi Log. Allein für diese kleine Strecke benötigten wir ca. 3 Stunden. Die Straflen sind schlecht und die Ortsdurchfahrten meist auf 40 km/h beschränkt. An die Geschwindigkeitsvorgaben sollte man sich übrigens genauestens halten denn es wird in Russland sehr stark kontrolliert und die so genannte DPS (dortige Verkehrspolizei) ist nicht zimperlich und wird absolut respecktiert.

Der Ort Suchoi Log hat außer dem Zementwerk kaum einen anderen großen Arbeitgeber, alles dreht sich also um dieses Werk. Die Leute leben dort eher bescheiden zum Teil auch noch in diesen kleinen Holzhütten, wie man sie aus alten Märchenfilmen kennt oder in typischen Wohnblöcken wie man sie aus DDR-Zeiten kennt. Trotzdem ist der überwiegende Teil der Leute sehr freundlich und hilfsbereit. Auch hatte ich stets den Eindruck, dass die Leute mit dem was sie hatten zufrieden waren.

Unser Domizil, die Italienische Villa, Unterkunft nur für meinen Kollegen und mich.

Um so größer war die Überraschung für uns, als wir unser Quartier bezogen. Wir waren in dem an das Zemnentwerk angeschlossen Erholungsheim untergebracht, vergleichbar mit den FDGB-Erholungsheimen der Betriebe in der ehemaligen DDR. Dort war eigens für ausländische Gäste des Zementwerkes ein kleines Feriendorf errichtet worden um diese angemessen unterbringen zu können. Wir bezogen die "Italienische Villa", den Namen trug unser "kleines Häuschen" wie ich fand, übrigens zu recht. Mein Kollege und ich hatten mehr als Platz und mussten auf keinen gewohnten Komfort verzichten, ein ganzes Haus nur für uns. Im Angesicht der doch sehr bescheidenen Wohnverhältnisse der Leute die dort lebten, war dies für uns eine große Überraschung und auch eine große Ehre, denn schließlich war dies Ausdruck darüber, wie sehr man sich bemühte den ausländischen Gästen ihren Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten und sich von einer fortschrittlichen Seite zu zeigen. Unsere Mahlzeiten haben wir übrigens auch immer in diesem Erholungsheim eingenommen, aber nicht mit den normalen, russischen Gästen, sondern in einem eigens für uns hergerichteten, separatem Raum. Dort wurde für uns eine Bedienung abgestellt welche uns unser Essen servierte. Es gab einfache Kost, meist aus einheimischen Gemüsen wie Kohl, Kartoffeln usw., viel Huhn oder Fisch aber alles war immer wohlschmeckend.

Platte Reifen und starke Verschmutzung.

Als wir im Zementwerk ankamen und den Kran das erste Mal sahen, wurde uns klar, dass es doch ein hartes Stück Arbeit werden würde, ihn wieder "ordentlich herzurichten". Der technische Zustand war, soweit wir dies auf den ersten Blick erkennen konnten, nicht das Problem, ein Liebherr Kran ist nicht klein zu kriegen und macht schon eine Menge mit aber die Verschmutzung des Kranes, Bereifung teilweise ohne Luft, die elektrische Anlage, Begrenzungsleuchten etc. funktionierten nicht, das würde schon eine Menge Arbeit erfordern. Erschwerend kam noch hinzu, dass es im November in dieser Region ca. 30 Grad unter Null kalt wird und uns die Einheimischen mitteilten, dass wir reichlich Glück hätten, denn es waren Plusgrade um die 2 - 5 Grad und damit so warm wie seit 100 Jahren nicht mehr. Wir konnten uns natürlich nicht darauf verlassen, dass es weiterhin so unnormal warm blieb und die nächste Kälteperiode wurde schon angekündigt.

Auf dem Waschplatz, ... erst mal runter mit dem Dreck!

Glücklicher Weise gab es in dem Zementwerk einen Waschplatz und nachdem wir die platten Reifen aufgepumpt hatten, fuhren wir als Erstes dort hin. Wir beschlossen das Gerät noch vor dem nächsten Kälteeinbruch erst einmal gründlich zu reinigen und von der zentimeterdicken Zementschicht zu befreien. Danach würden wir uns den technischen Details widmen. Mit dem bloßen Aufpumpen der Reifen war es nicht getan, meist ist in solchen Fällen Korrosion hinter dem Felgenrand der eigentliche Grund für den Luftverlust und so wie das Gerät aussah konnten wir davon ausgehen, dass dies auch hier der Fall war. Das bedeutete die Räder müssen ab, die Reifen runter, die Felgen müssen entrostet und mit Rostschutz behandelt werden und zum Schlufl müssen die Reifen und Räder wieder montiert werden. Also noch genug Arbeit wenn die Kälte kommen würde.
Aber erst einmal war die Reinigung an der Reihe und die hatte es wirklich in sich, mit dem Kärcher, der Spachtel und der "chemischen Keule" ist es uns gelungen den Kran wieder in einen sehr ordentlichen Zustand zu bringen und so waren auch die zahlreichen "russischen Beobachter" äußerst angetan und auch verwundert über diese Verwandlung.

Die Fahrerkabine des Unterwagens, ... wie neu!

Selbst im Innnenraum der völlig verstaubt und verschmutzt war haben wir nicht Halt gemacht und ihn mit einem Wundermittel aus den USA wieder ordentlich aufgepeppt. Übrigens alle Reinigungsmittel und Chemikalien haben wir vor Ort in den Fahrzeugläden gekauft, dort gab es hauptsächlich amerikanische Produkte. Und als uns die Russen entgegen hielten, dass sie ja keine Möglichkeiten gehabt hatten den Kran so zu putzen weil ihnen die Reinigungsmittel fehlten, konnten wir ihnen mit einem Augenzwinkern sagen. "Alles bei euch gekauft". Ich war in der Zwischenzeit schon vertraut mit den Läden in der Umgebung und ziemlich bekannt, man fällt auf als Ausländer wenn man nach Dingen fragt welche sonst kaum einer verlangt, angefangen bei groflen Waschbürsten, Spezialreinigern, Graphitfetten, Lacken, Sprühpistolen und so weiter, ... und wenn man dann noch nicht mal nach dem Preis fragt, denn wichtig war nur, das Benötigte überhaupt zu bekommen und die Sprachbarriere machte das nicht gerade einfacher. Meine Russisch-Kenntnisse beschränken sich auf das in der Schule Gelernte und schon fast wieder Vergessene und etwas mehr Englisch, aber das sprachen dort nur wenige Leute. Wenigsten konnte ich die kyrillische Schrift entziffern, das war wirklich eine grofle Hilfe vor allem wenn man mit dem Auto unterwegs war. Und natürlich war da noch ein wesentlicher Punkt, der mir die Orientierung erleichterte, mein russisches Navigationsgerät, genauer gesagt die Software von Navigon welche ich auf mein Iphone aufgespielt hatte, mit deren Hilfe konnte ich wirklich jedes Ziel genau finden und das hinter dem Ural, im tiefsten Russland!

Ziemlich gelitten, unser Mietwagen!

Nun, letzlich haben wir alles bekommen was wir brauchten und so war der Kran, was die Sauberkeit betraf, wieder top fit.

Nur unser Mietwagen hatte bei den Besorgungsfahrten gelitten, obwohl wir ihn öfters abdampften war er nach kurzer Benutzung sofort wieder rabenschwarz. Die Straflen waren sehr schmutzig und weil es keinen Frost gab, wurde der ganze Schmutz aufgewirbelt. Aus diesem Grund, gehört ausreichend Wasser für die Scheibenwaschanlage auch zur Grundausstattung eines Autos in Russland. Man sollte immer einen Kanister im Wagen haben, bereits nach wenigen Kilometern verliert man sonst unweigerlich den "Durchblick". Gerade im Winter kann man sich dann mit normalem Wasser nicht mehr behelfen. In den Ortschaften verdienen sich die Leute manchmal etwas dazu, indem sie Waschanlagenzusatz am Straßenrand zum Kauf anbieten.

Demontage der Räder.

Es wurde allmählich kälter und die Leute vom Zementwerk waren so freundlich uns einen Platz in einer der Wartungshallen zu geben. Dort werden die Dumper, Bagger und Raupen des Werkes repariert und gewartet. Die Halle war riesig, wir hätten locker zehn oder mehr Krane dieser Größenordnung dort abstellen können, das Wichtigste aber, sie war geheizt. Dadurch konnten wir trotz des Frostes unsere Arbeiten fortsetzen und begannen damit alle Öle, Filter und das Kühlwasser†zu prüfen, den Kran abzuschmieren, alle Bolzen, beweglichen Teile und den Drehkranz zu fetten und natürlich auch die Räder in Angriff zu nehmen. Wir demontierten also die Räder welche Luft abließen zerlegten sie, entrosteten sie und behandelten sie anschlieflend mit einem Rosschutzanstrich. Danach montierten wir sie wieder. Als auch diese Arbeit erledigt war, stand einer Überführung des Kranes nach Moskau eigentlich nichts mehr im Wege.

Letzter Schliff, Verschönerung der Räder.

Einen kleinen Schönheitsfehler gab es da noch, die Räder! Sie waren zwar dicht, sahen aber nicht mehr gut aus, die Farbe war ab und man sah die Stellen welche mit Rostschutz behandelt waren. Naja, mit einem Kran ist es wie mit einem Gebrauchtwagen, auch der äußere Eindruck zählt und selbst wenn ein Auto in technisch gutem Zustand ist aber optisch nicht so gut aussieht, kauft man es vielleicht nicht. Zur Optik eines Kranes gehören zu einem nicht unerheblichen Teil auch die Räder, also entschlossen wir uns, diese noch schwarz zu lackieren und den Felgenring weiß abzusetzen. Gesagt, getan! Diese Maflnahme brachte uns wiederum eine Menge Zuschauer in der Wartungshalle ein, und wenn man uns anfangs noch belächelte, so waren sich am Schluß alle einig, der Kran sah jetzt wirklich super aus! Natürlich war er auch technisch in einwandfreiem Zustand um seine mehr als 2000 km lange Reise nach Moskau anzutreten.

Abschließender Test, alles in Ordnung.

Einen Kran dieser Größe zu bewegen ist schon in Deutschland kein problemloses Unterfangen. Man braucht Ausnahmegenehmigungen, Bgeleitfahrzeuge, man bekommt Fahrauflagen, darf nur zu bestimmten Zeiten oder nur nachts und nur auf bestimmten Straflen fahren. Trotzdem gibt es klare Regeln auf die sich ein Unternehmer verlassen kann, wenn er eine Fahrgenehmigung beantragt. In Russland ist das nicht ganz so. Dort kann es auch passieren, dass man trotz aller Vorplanung und einer gültigen Genehmigung stillgelegt wird. Angehalten wird man mit absoluter Sicherheit sowieso an jedem Streckenposten den man passiert und das sind auf einer 2200 km langen Strecke nicht wenige, ca. 20 bis 30 Kontrollpunkte gilt es zu passieren. Man muss also eine solche Fahrt genau vorbereiten und die entsprechenden Stellen einbeziehen um einen möglichst reibungslosen Transportverlauf zu ermöglichen. Genau das war auch der Grund, warum ich die Fahrt nach Moskau nicht unmittelbar nach dem Abschluß der Vorbereitungen am Kran antreten konnte. Es fehlten entsprechende Genehmigungen und Absprachen, das ist in Russland schwer zu kalkulieren und kann deshalb einen Zeitplan gehörig durcheinander wirbeln.

Da es ungewiss war wann diese Transportgenehmigungen vorliegen würden, stellten wir den Kran, nachdem wir ihn außerhalb der Halle noch einmal durchgefahren und getestet hatten wieder darin ab und traten den Heimflug an. Es sollte bis zum Februar 2011 dauern, ehe ich wieder zurück kam und die Fahrt nach Moskau antreten konnte, mitten im russischen Winter!

TankstopAm 01. Februar 2011 war es dann soweit. Alle Genehmigungen sollten vorliegen und der Kran nun endlich von Suchoi Log nach Moskau überführt werden. Ich bin also am 01.02. um 18:50 Uhr von Frankfurt nach Moskau geflogen, dort hatte ich um 01:05 Uhr einen Anschluflflug nach Ekaterinburg, leider hatte dieser Flug eine Stunde Verspätung und so kam ich 06:30 Uhr Ortszeit in Ekaterinburg an. Von dort wurde ich dann mit dem Auto abgeholt und es ging die restlichen 130 km bis nach Suchoi Log wo ich gegen 10:00 Uhr eintraf. Zeit für eine Pause gab es leider nicht, die "Absprachen mit den Behörden" oder dessen Vertretern sahen vor, dass ich noch am selben Abend mit dem Kran losfahren sollte. Also ging es gleich zum Kran, gründlicher Check, alles zur Abfahrt bereit gemacht. Anschlieflend die Verladung des Zubehörs, Ballast, Gitterteile der Spitze bzw. des Wippenauslegers, alles musste auf LKW's verladen werden. Das ist in Russland nicht ganz so einfach, es wird erst einmal viel geredet und jeder meint er muss sich mit einbringen bzw. seine Meinung sagen. Wenn man nicht ständig drängelt und Druck macht ist der Tag vorbei und nichts ist gelaufen. Außerdem war es sehr kalt, ca. -25 Grad und auch der Kran zur Verladung, ein alter 30 Tonner auf Kamas-Fahrgestell, quälte sich sehr mit den schweren Teilen. Aber irgendwie ist dann doch bis zum Abend alles verladen worden, alle LKW's waren weg und so konnten wir gegen 18:30 Uhr endlich ebenfalls starten.

Bei -25 Grad bildet sich sogar auf der Innenseite der Türen dickes Eis. Wie in Russland nicht anders zu erwarten gab es aber gleich die erste Überraschung, von der angeblichen Genehmigung bzw. Polizeibegleitung war nichts vorhanden. Statt dessen hatte ich zwei russische Begleiter welche weder Englisch noch Deutsch sprachen. Nach einigen Telefonaten und Rückfragen konnte ich die Situation dann soweit aufklären, dass wohl alles abgesprochen sei, eine Polizeibegleitung erst im Laufe der Fahrt erfolgen sollte und ich mit den zwei Begleitern als Beifahrer erst mal losfahren sollte, den Weg würden sie kennen. Eine typisch russische Situation also, in Deutschland undenkbar aber dort normal und so fuhr ich eben los. Insgesamt lagen ca. 2200 km vor mir, zuerst nach Ekaterinburg, dann weiter über Perm, Kirov, Nizhniy Novgorod bis nach Moskau. Wie weit ich in dieser Nacht noch kommen würde wusste ich noch nicht genau, es würde von den Straßenverhältnissen und auch davon abhängen, wann die Müdigkeit "zuschlägt", ich war mittlerweile seit 24 Stunden auf den Beinen. Trotzdem lief es zu Beginn der Fahrt ganz gut, es war zwar kalt aber die Straflen waren noch schnee- und eisfrei, deshalb wollte ich so weit wie möglich fahren bevor die Witterung und damit die Straflenverhältnisse schlechter würden. Natürlich ließ auch die erste Kontrolle durch die DPS (russische Polizei) nicht lange auf sich warten, zu meinem Erstaunen konnten wir die Fahrt aber ziemlich schnell wieder fortsetzen nachdem meine Begleiter den Beamten eine telefonisch über Handy "zugeschaltete" Person weiterreichten und sich danach kurz in den Dienstwagen der Beamten zurückzogen. Gegen 01:30 Uhr am Morgen des 03. Februar hatte ich dann, nach etwas mehr als 300 Kilometern Fahrt, einen Rasthof erreicht, der sah von Außen ganz gut aus und meine Begleiter und ich entschieden uns, dort eine Schlafpause einzulegen.

Stop an einem Rasthof.

Ich freute mich schon auf eine schöne Dusche und eine "Mütze voll Schlaf" aber es gab die zweite Überraschung, das Zimmer war ein Schlafsaal wo mehrere Leute (alles fremde LKW-Fahrer) in einem großen Raum schliefen die Toilette war über den Gang und die Dusche sogar in einem anderen Haus. Man musste also bei der eisigen Kälte über den Hof laufen um zu Duschen und dann natürlich auch wieder zurück. Ich war ziemlich sauer und habe sehr mit meinen Begleitern geschmipft, sie versprachen beim nächsten Stop ein Einzelzimmer mit Dusche zu besorgen, extra für mich. Trotzdem konnten Sie irgendwie überhaupt nicht begreifen warum ich mich so aufregte, für Sie war das eine völlig normale Situation.

Obwohl ich mich aus den genannten Gründen nur kurz am Becken wusch und dann gleich in eines der Betten fiel war diese Schlafpause nicht sehr lang, schon am nächsten Morgen um 06:30 Uhr fuhren wir weiter, es hatte geschneit und die Straflen wurden immer glatter, Winterdienst oder Räumfahrzeuge waren nicht zu sehen und die Fahrweise der russischen Fernfahrer ist nicht unbedingt den Witterungsverhältnissen angepasst.

Zu schnell auf vereister Fahrbahn und überladen, am Ende landete dieser LKW im Straflengraben.

Trotz total vereister Fahrbahn fahren die LKW's mit hoher Geschwindigkeit und so kommt es sehr oft vor, dass sie im Straflengraben landen. Auf unserer Fahrt wurden wir immer wieder von der DPS angehalten und man wollte, dass wir LKW's aus dem Straßengraben heben oder ziehen. Das habe ich meist abgelehnt, mit der Begründung keine Hakenflasche dabei zu haben und deshalb nicht heben zu können. Es hätte uns zu sehr aufgehalten und die Verhältnisse zum Aufbau eines 500 t Kranes auf den abschüssigen, vereisten Straßen waren meist nicht gegeben, nur einmal habe ich einen Truck aus dem Graben gezogen.

Besonders auf den bergigen Straßen wurde die Fahrt jetzt immer schwieriger. Teilweise waren die Straßen so vereist, dass der Kran auf Steigungsstrecken auf allen Antriebsachsen durchdrehte, nur mit Untersetzung und Sperren gelang es mir dann den Anstieg zu bewältigen. Aber damit war die Schwierigkeit nicht vorbei, denn die nachfolgende Abfahrt war meist noch gefährlicher und nur unter äußerster Vorsicht zu absolvieren. Wenn mann einen Kran mit 96 Tonnen Gewicht auf vereister Fahrbahn bei der Abfahrt aufler Kontrolle verliert, dann ist die Fahrt vorbei. Also bin ich teilweise im Schneckentempo die Gefällestrecken herunter gefahren um den Kran unter Kontrolle zu halten. Das hat natürlich viel Zeit gekostet.

Kurzer Stopp, mit Kaffeepause.Um das zu kompensieren bin ich auch am zweiten Tag wieder knappe 20 Stunden lang gefahren und habe trotzdem nur eine Strecke von etwas mehr als 400 km geschafft. Gegen 02:00 Uhr am Morgen des 04.02.11 haben wir einen Rasthof erreicht und dort übernachtet. Leider auch hier wieder nur in einem Schlafsaal aber wenigstens war die Dusche im selben Haus, wenn auch auf dem Gang und fernab jeder Hygienevorschrift aber das war mir egal, die letzte Dusche war zu lange her. Diesmal schliefen wir bis Mittag 11:00 Uhr und machten uns dann wieder auf den Weg bzw. die Buckelpiste, sorry aber der Zustand der Überlandstraßen läßt oftmals keine andere Bezeichnung zu. Teilwiese waren sie so schlecht, dass ich nicht schneller als 20 km/h fahren konnte. Für diesen Tag hatten wir uns vorgenommen mindestens 300 - 400 km zu schaffen, natürlich nur wenn das Wetter und die Straßenverhältnisse dies zulassen würden.

Kennzeichen aus Pappe in der Frontscheibe, das musste reichen.Trotz Schneefall waren wir gut unterwegs, die hohen Berge waren überwunden und wir kamen relativ konstant voran. Um 22:00 Uhr machten wir wieder an einer Art Motel halt um zu übernachten, bis Moskau waren es jetzt nur noch 820 Kilometer. Das Motel sah wie eine lange gemauerte Baracke aus, im Inneren entpuppte es sich jedoch als ein sehr alter Zug der Transsibierischen Eisenbahn. Den hatte man einfach eingemauert, scheinbar hatte der Zahn der Zeit zu sehr an ihm genagt und so wurde er kurzer Hand "ummantelt". Innen war es nach wie vor ein Zug, die Zimmer waren die Abteile, sehr klein mit jeweils vier Betten (oder besser Bänken). Obwohl meine Begleiter der Meinung waren ein Abteil würde für uns ausreichen setzte ich mich diesmal durch mein "eigenes Zimmer" zu bekommen, bedeutete ein ganzes Abteil für mich, ganze 4 Quadratmeter! Die teilen sich sonst vier wildfremde LKW-Fahrer welche wer weis wann die letzte Dusche gesehen haben, kaum vorstellbar. Ach ja, die Dusche war natürlich am Ende des Waggons und das Schlimmste was ich bis dahin gesehen habe, schon der Geruch lies die verschiedenen Baktereien bzw. Keime vermuten, welche man sich bei deren Benutzung einfangen würde. Aus diesen Gründen blieb mir nichts Anderes übrig als ungeduscht auf meiner Bank in den Schlaf zu fallen.

Am 05.02.2011 um 08:00 Uhr fuhren wir nach einem ausgiebigen Frühstück weiter Richtung Moskau. Mehr als die Hälfte der Strecke hatten wir bereits hinter uns und trotz zahlreicher Kontrollen durch die DPS hatte es keine nennenswerten Verzögerungen gegeben.

Tank- bzw. Kaffepause.

Wir waren also guter Dinge Moskau innerhalb der nächsten zwei Tage zu erreichen. Das wäre eine Fahrzeit von nur 5 Tagen, im Winter bei Schnee und Eis, mehr als wir im Vorfeld zu hoffen gewagt hatten, zuviel hätte passieren können, Defekte, Stilllegungen, Kälteprobleme etc. aber noch waren wir nicht am Ziel. Es setzte starker Schneefall ein und die Straßen wurden immer rutschiger und wurden teilweise zugeweht. Weil für die nächsten Tage eine weitere Verschlechterung der Wetterlage vorausgesagt wurde, mussten wir mehr und mehr damit rechnen die Fahrt unterbrechen und auf Wetterbesserung warten zu müssen. Nachdem alles so gut gelaufen war wollte ich natürlich gern "meinen Vorsprung ins Ziel retten" und hatte keine Lust evtl. Tage lang in einem dieser "komfortabelen" Motels abzuhängen. So kam ich zu dem Entschluss so lange wie möglich durchzufahren und die letzten 820 Kilometer notfalls in einem Stück zu absolvieren um so noch vor der Schlechtwetterfront Moskau zu erreichen. Ausser ein paar kurzen Tank- bzw. Kaffeepausen mit ein paar Snacks fuhr ich deshalb durch und so erreichten wir nach 22 Stunden Fahrt, am Morgen des 06.02.2011 um 06:00 Uhr unser Ziel in Moskau.

Ziel erreicht, der Kran ist in Moskau.

Unser Ziel befand sich in einer Art Gewerbezone welche schon im Stadtgebiet Moskaus lag, dierekt neben einigen Hochhäusern am Mkad gelegen, das ist eine Art Stadtautobahn welche sich wie ein Ring um Moskau zieht. Dort habe ich den Kran abgestellt und nach einem ausgiebigen Frühstück mit den dortigen Arbeitern bin ich gegen 09:00 in meinem Moskauer Hotel angekommen, Einzelzimmer mit Dusche und WC, traumhaft. Nach einer ausgiebigen Dusche bin ich ins Bett gefallen und habe bis zum Abend durchgeschlafen. Den 07.02.11 habe ich genutzt um den Kran ordnungsgemäß zu übergeben, am 08.02.2011 trat ich den Heimflug nach Frankfurt am Main an und damit war die Überführung des Kranes für mich beendet.

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